Liebe Abonnentinnen, liebe Abonnenten,
auf meinen vorigen Newsletter hin habt ihr mir viele Nachrichten geschrieben – weit mehr, als ich erwartet hatte. Und aus jeder einzelnen konnte ich Freude herauslesen, dass ich wieder von mir hören lasse. Das hat mich sehr berührt. Vielen Dank an euch alle – ihr habt einen einfachen Schriftsteller sehr glücklich gemacht!
Viele positive Rückmeldungen habe ich auch zu meinem Buch "Papa, lach doch mal!" bekommen. Darüber habe ich mich natürlich ebenfalls gefreut, aber mehr noch war ich erleichtert. Dazu muss man wissen, dass es das erste Mal ist, dass ich ein Buch über mich selbst geschrieben habe. Und dann gleich über ein wirklich persönliches Thema – es geht darum, wie ich seit weit über einem Jahrzehnt mit Depression lebe und mal besser, mal schlechter damit zurechtkomme.
Ich will es mal so ausdrücken: Möglicherweise habe ich vielleicht einen winzigen Anflug von Sorge verspürt, dass ich von jetzt als kompletter Lebenslegastheniker gelte und mich nie wieder in der Öffentlichkeit zeigen kann, ohne ausgelacht zu werden …
So ist es zum Glück nicht gekommen. Im Gegenteil, die Reaktionen haben zum Teil meine kühnsten Hoffnungen übertroffen. Ein Beispiel: Am vergangenen Wochenende habe ich einen langen Winterspaziergang gemacht, zusammen mit einer Person aus meinem Bekanntenkreis, von der ich keine Ahnung hatte, dass sie ebenfalls unter Depressionen leidet. Doch sie hatte mein Buch gelesen und dies zum Anlass genommen, sich mir ebenfalls zu öffnen. Und jetzt sind wir beide keine Einzelkämpfer mehr.
Sensationell, oder?
Es ist nämlich so, dass man anderen die Depression nicht ansieht (auch mir nicht). Dadurch verfällt man als Betroffener leicht in den Glauben, allen anderen Menschen gehe es gut und man selbst sei der einzige, der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Diese empfundene Isolation war einer der Gründe, warum ich lange Zeit nur den wenigsten Menschen von meiner Depression erzählt habe. Versteht sich von selbst, dass ich mich dadurch noch einsamer gefühlt habe.
Aber jetzt, wo ich den Schritt getan habe, mich zu öffnen, stelle ich fest: So allein bin ich gar nicht. Da sind noch andere Menschen, fremde und bekannte, denen es so geht wie mir. Die sich in "Papa, lach doch mal!" wiederfinden, die ich mit meinen Texten bewege, vielleicht sogar inspiriere.
Und mehr kann sich ein Schriftsteller nun wirklich nicht wünschen :-)
Bis dann, und seid gut zu euch selbst
Tobias
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Tobias Radloff, Schriftsteller
https://tobias-radloff.de
"‘Papa, lach doch mal!’ – Geschichten aus dem Leben mit Kind und Depression"
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